Brianna Wiest: Zum Glück führt keine Autobahn

Brianna Wiest: Zum Glück führt keine Autobahn

Brianna Wiest: Zum Glück führt keine Autobahn

Brianna Wiests „101 Essays, die dein Leben verändern werden“ zeigen, dass der Weg zum Glück gerade über jene Hindernisse führt, die wir so gerne meiden würden

Auf den Punkt gebracht

Mit ihren „101 Essays, die dein Leben verändern“ legt die Bloggerin und Autorin Brianna Wiest einen sehr tiefgründigen Ratgeber zu den Themen Lebenshilfe, Psychologie und Glücksforschung vor, der zu einem SPIEGEL Bestseller geworden und auch auf TikTok gut viral gegangen ist.

Kernthese ihrer Essays: Zum Glück gibt es keinen direkten und einfachen Weg, dorthin gelangen wir nur auf verschlungenen Pfaden. Diese führen mitten durch unsere Probleme, Leiden, Ängste und schlechten Gewohnheiten. Indem wir uns dem stellen, was uns an einem befreiten Leben hindert, können wir Denkfehler durchbrechen und so uns und unserem Glück finden.  

Wichtige Hintergrund-Info

Der Originaltitel des Buches lautet allerdings: „101 Essays That Will Change The Way You Think“, vom deutschen Verlag übersetzt in: „ … die dein Leben verändern“. Ich finde, es ist ein Unterschied, ob ein Buch sich auf die Änderung von Gedanken fokussiert oder des ganzen Lebens. Insofern muss man die Titelwahl des Verlags und die bewusst veränderte Übersetzung inhaltlich infrage stellen.

Da das Buch sich mit dem Titel besser verkaufte, hat man aus ökonomischen Kriterien dort alles richtig gemacht. Der Leser muss nur damit leben, dass der Titel ihn vielleicht ein wenig auf die falsche Fährte führt – und sollte daher den Originaltitel der Autorin stets vor Augen haben! Das Buch leistet nämlich keine „Lebenshilfe“, es ist vielmehr eine „Denkstütze“.

Für wen dieses Buch vor allem ist

Alles Sinnsucher:innen, Glückssucher:innen und Menschen, die bestimmte Lebensprobleme bewältigen möchten. Die Essays von Wiest setzen aber nicht bei Problemen selbst an, sondern im Kopf des Lesers/der Leserin. Wer Lebenshilfe in bestimmten Situationen erwartet, ist hier falsch. Wer aber seine Gedanken, seine Einstellungen und sein Mindset richtig aufstellen will, liegt hier richtig.

Da viele Dinge im Leben, so auch die menschlichen Gedanken, paradox sind, macht es nur Sinn, das Buch zu lesen, wenn man Paradoxien aushalten kann. Wer dagegen mit Plattitüden besser zurechtkommt (wogegen nichts einzuwenden wäre), muss sich an andere Autoren wenden. Da ein Buch über das menschliche Denken komplex ist, muss man bei dem Buch schon etwas mitdenken – teilweise, bis der Schädel raucht!  ;- )

Worum es im Buch eigentlich geht

Es geht um das Vermeiden von klassischen „Denkfehlern“ und umkurven von Dingen, die uns an bestimmten Erkenntnissen oder Handlungen hindern. Die Hürden, von denen im Klappentext zu lesen ist, sind die Hürden in unseren Köpfen.

Im Sinne eines bekannten Werbeslogans („Wir machen den Weg frei“) zeigt Brianna Wiest, wie man negative mentale Muster identifizieren und durchbrechen kann. In einem anderen Buch von Wiest geht es zum Beispiel darum, „Selbstsabotage“ zu verhindern. Aus dieser Richtung kommen auch die „101 Essays“. 

Was man aus diesem Buch unter anderem mitnehmen kann

Um an dieser Stelle nicht zu viel vom Inhalt preiszugeben, hier ein paar Thesen auf den Punkt gebracht:

  • Was uns daran hindert, glücklich zu sein, sind meist wir und unsere Gedanken
  • Warum man mehr in sich hineinhorchen sollte, statt rational zu reflektieren
  • Warum Selbstwertgefühl so wichtig ist
  • Warum wir auch so etwas wie Schmerz zu unserm Glück benötigen
  • Warum wir den Weg zum Glück nicht finden, wenn wir ihm nachjagen
  • Warum das Leben und der Mensch voller Paradoxien und Widersprüche ist
  • Warum es oft das Beste ist, Dinge NICHT zu tun, zu denen wir neigen
  • Warum es so wichtig ist, sich den Herausforderungen im Leben zu stellen und:
  • Warum unsere Kämpfe uns zu der Person machen, die wir sind – oder sein könnten!

So geht es bei Wiest vor allem darum, den „Geist“ von toxischen Gedankengängen zu entgiften und das Wohlfühl-Potenzial der Seele im eigenen Körper zu stärken. Das vermeintlich Schlechte sollte eher als Wegbereiter für eine glückliche Zukunft angesehen werden.

Ein wenig erinnert diese Herangehensweise an ein altes Zitat Wilhelm Busch, das man wie folgt abwandeln könnte: „Das Gute, dieser Satz steht fest, ist stets das Schlechte, was man lässt.“

Fazit

Diesem Buch gelingt es, Menschen zu ermächtigen, sich ihrer selbst bewusst zu werden, nicht nach Dingen zu streben, die sie gar nicht sind und vor allem: Wiest zufolge sollte man nicht nach Komfort im Leben zu streben, wenn man zum Glück kommen will. Sondern man sollte sich den unangenehmen Dingen, den Herausforderungen, den Hindernissen oder den „inneren Dämonen“ stellen!

Was ja auch logisch ist. Das Leben will gemeistert werden, nicht verdrängt! Wir Menschen neigen eher zu letzterem.

Die Thesen von Wiest erinnern in ihrer Paradoxie und Komplexität sehr denen in Jordan F. Petersons Buch „12 Rules for Life“. Wenn zwei so profilierte und anerkannte Bestseller-Autoren sich dem Glück auf diese Weise nähern, so führt zum Glück wahrscheinlich kein einfacher Weg. Sondern dann führt der Weg zum Glück mitten durch unsere inneren Widerstände. Es ist so, wie die Autorin selber rät:     

Die Empfehlung: Wenn man nicht weiß, was man aus seinem Leben machen soll – diese 101 Essays lesen! Christian Born

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