12 „einfache“ Regeln fürs Leben: 12 Rules for Life

12 „einfache“ Regeln fürs Leben: 12 Rules for Life

12 „einfache“ Regeln fürs Leben: 12 Rules for Life

Jordan B. Petersons Weltbestseller „12 Rules for Life“ enthält 12 Lebensregeln, die einfach zu lesen, aber nicht so einfach zu verstehen sind

Auf den Punkt gebracht

Auf 12 Regeln für das ganze Leben? Wirklich, das reicht? Jordan B. Petersons Bestseller erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Er sagt nicht einmal, dass die „12 Regeln fürs Leben“ die entscheidenden, einzigen und wichtigsten Regeln sind, die man befolgen muss. Warum ist dieses Buch dann ein Bestseller geworden? Das liegt sicher daran, wie Peterson diese Regeln herleitet und was er dazu schreibt.

Ich muss gestehen: Ich habe selten ein kreativeres und tiefergehendes Buch in der Hand gehalten. Entweder man findet dieses Buch genial, bewundert es wie ein seltenes Kunstwerk, was es ohne Zweifel ist – oder man steigt aufgrund der Fülle der Gedanken aus. Wer jedoch über ein einen komplexen Charakter verfügt, für den ist Petersons Buch ein offenbarender Zeitvertreib. Zumal man es nach dem ersten Lesen nicht sofort beiseitelegen kann! 

Wichtige Hintergrund-Info über dieses Buch

Dieses Buch wäre wahrscheinlich ohne die Online-Wissen-Plattform „Quora“ nicht entstanden. Dort hatte Peterson eine 42 Antworten umfassende Liste auf die Frage eingestellt: „Was sind die wertvollsten Dinge, die jeder wissen sollte?“ Das überwältigende Feedback brach zeitweilig alle Rekorde.

Petersons Liste war eine der meistgelesenen Listen des Internets. Das brachte einen Verlag dazu, daraus ein Buch zu machen. Die Geburt des Bestsellers „12 Rules for Life“. Darin verarbeitet Peterson die Essenz seiner 42 Thesen.

Für wen dieses Buch vor allem ist

Keine leicht zu beantwortende Frage. Für dieses Buch gibt es keine klar definierte Zielgruppe, denn der Sinn des Lebens geht uns alle an. Es wäre aber auch falsch, dem Buch zu attestieren, es sei „für jeden“ geschrieben, da es sehr tief geht.

Die New York Times bezeichnete Jordan B. Peterson als „den einflussreichsten öffentlichen Intellektuellen seiner Zeit“. Ich finde, das trifft es ganz gut. Dieses Buch wurde von einem Intellektuellen für andere Intellektuelle geschrieben.

Das heißt: Wer diesen „Rockstar-Psychologen“ nicht auf langen gedanklichen Spaziergängen begleiten möchte oder kann, wäre man mit Ratgebern wie „Simplify Your Life“ besser dran.

So könnte man sagen: Dieses Buch ist für Intellektuelle verfasst, die nach mehr Erfolg und Sinn in ihrem Leben suchen.

Was man aus diesem Buch unter anderem mitnehmen kann

Da an dieser Stelle nicht zu viel verraten werden darf, werden die 12 Regeln hier nicht dargelegt. Ein paar „Appetizer“ kann man dennoch fallen lassen.

  • Die Regeln in diesem Buch sind eigentlich ganz einfach und auch einfach zu verstehen, wie zum Beispiel: „Stehe gerade mit breiten Schultern“
  • Doch hinter dem, was diese Regeln offenkundig sagen, eröffnen sich oft völlig andere Welten. „Die Regeln in diesem Buch sind anspruchsvoll“, schreibt deshalb Norman Doidge im Vorwort – zurecht!
  • Petersons Literaturagentin schlug einen psychologischen Ratgeber vor über Dinge, die jeder Mensch über ein „gutes Leben“ wissen sollte.
  • Peterson konnte und wollte diesen einfachen Wunsch so nicht erfüllen, aber seine Regeln leisten einen Beitrag dazu, wie Menschen Verantwortung für ihr eigenes Leben, aber auch „für die Gesellschaft und die Welt allgemein“ übernehmen können
  • Peterson zufolge müssen Menschen gewisse Regeln befolgen, wenn das Leid auf der Welt gemindert werden soll, wie z. B. sich die Wahrheit sagen oder etwas abreißen und neu errichten, das nicht mehr zu retten ist
  • Im Kern geht es darum, Menschen zu ermuntern, Regeln zu befolgen und Dinge zu tun, auch wenn sie scheinbar NICHT direkt zu ihrem Vorteil sind – sie aber insgesamt zum WACHSEN bringen
  • Das Befolgen der Regeln folgt daher der Überlegung, sich für ein sinnvolles Leben zu entscheiden. Das ist nun wahrlich keine leichte Kost und kein einfacher Anspruch

Das Kernthema des Buches

Es geht um die Frage, wie die menschliche Existenz, die von Verletzlichkeit und Fragilität geprägt ist, mit einer Welt fertig wird, die von ständigen Veränderungen und Bedrohungen gekennzeichnet ist. Oft begleitet von Problemen und sinnlosen Leiden. Wie kann man all das erfolgreich bewältigen?

Peterson weiß als Psychologe und Therapeut, dass Ordnung für Menschen Halt und Orientierung stiftet. Und dass der Mensch deshalb Regeln benötigt, um ein sinnvolles Leben zu führen und (s)eine Richtung zu finden.

Hier setzt Peterson an. Seine 12 Regeln sind ähnlich einfach formuliert wie die 10 Gebote. Aber die Lesart dahinter ist eine ganz andere. Damit gelingt es Peterson, sich von platten Ratgebern und geschlossenen Weltbildern zu unterscheiden.

Peterson stellt Regeln für ein offenes Weltbild auf. Sozusagen die 12 Regeln neben den 10 Geboten. Er gibt 12 Antworten auf die Frage: Was muss ich beachten, um in einer Welt, die sich ständig verändert, Sinn, Struktur und Halt zu finden? Unabhängig von Religionen oder Ideologien. Rein psychisch betrachtet.

Seine Antworten: Indem man sich bemüht, mit Schwierigkeiten, Veränderungen und Paradoxien zu leben. Indem man versucht, die Aufgaben zu bewältigen, die uns das Leben täglich stellt. Indem man mit Hindernissen und Hürden nicht hadert. Sondern indem man sein Leben als ständiges Wachstum begreift, um das existenzielle Chaos besser annehmen zu können. Um die Leiden, Probleme und Sorgen besser bewältigen zu können – die eigenen und die der Menschen um sich herum. 

Was kritisch und positiv zugleich ist

Das Buch ist daher extrem kreativ, verblüffend und enthält nur selten das, was der Leser unmittelbar erwarten würde. Manchmal lässt Peterson den Leser mit ein paar Puzzleteilen seiner Gedanken allein. Warum er gerade diese 12 Regeln ausgewählt hat, bleibt offen. Das ist nicht wirklich schlimm. Aber die Frage danach sei erlaubt …

Fazit

Wer bereit ist zu interpretieren und Sinnbausteine zusammenzusetzen, für den eröffnet sich hier eine spannende und sinnstiftende Lektüre: um sich erfolgreich aufzustellen und sein Leben neu zu ordnen.

Dieses Buch ist ganz im Sinne des Satzes von Sartre (Lesen ist gelenktes Schaffen) geschrieben: ein buntes Füllhorn an Puzzleteilen, die man sich im Lese- und Verstehensprozess auch in Schleifen erschließt. Wer aber erwartet, dass hier einfache Wahrheiten „vorgekaut“ werden, der sollte sich an klassische, einfach gestrickte „Ratgeber“ halten.

Insofern ist „12 Rules for Life“ (auch im Deutschen mit dem englischen Titel erschienen) ein brillant geschriebenes Buch. Mit 12 scheinbar ganz einfachen Regeln, die aber auf den zweiten Blick einen enormen Tiefgang entfalten.

Achtung, dieses Buch kann den Leser in die Lage versetzen, ein sinnvolleres Leben als bisher zu führen, das Leben erfolgreicher zu bewältigen, viele Dinge in Ordnung zu bringen und zu guter Letzt: ein Licht für diese Welt zu sein! Über wie viele Bücher kann man das behaupten?

12 Chapters Can Change Your Life! Christian Born

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Diese Formulierung stammt aus dem Bestseller „Keine Regeln“ über Netflix. Dort ist Feedback Teil der Firmenkultur und der Verbesserungs-Prozesse. Es bedeutet: „Mit positiver Grundhaltung aussprechen, was man wirklich denkt und anderen real ins Gesicht sagen könnte.“ Na, dann los …

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