Keine Zeit fürs Wesentliche? Lichters Erleuchtungen

Keine Zeit fürs Wesentliche? Lichters Erleuchtungen

Keine Zeit fürs Wesentliche? Lichters Erleuchtungen

In „Keine Zeit für Arschlöcher“ beschreibt der beliebte Fernseh-Moderator Horst Lichter seinen Ausstieg aus dem Hamsterrad und Weg zur Selbstfindung  

Auf den Punkt gebracht

Manchmal bedarf es eines Schicksalsschlags, damit man zu wesentlichen Erkenntnissen kommt. Im Leben von Horst Lichter war das der Tod seiner Mutter. Dieser führte ihm die eigene Endlichkeit vor Augen und zu einem Umdenkungsprozess: Lichter beschloss, im Beruf kürzer zu treten und seine Zeit nur noch in Aktivitäten zu investieren, hinter denen er in vollem Umfang stehen konnte. Und vor allem: Keine Zeit für Menschen zu verschwenden, die keine positiven „Vibes“ ins Leben bringen. Er krempelte sein Leben um. Außerdem korrigierte er sein Image als „Fernseh-Clown“. Seinen Weg dorthin hat er in diesem Buch beschrieben – und natürlich plaudert Lichter aus dem Nähkästchen des Show-Business und lüftet so manches Geheimnis.

Wichtige Hintergrund-Info

Vor dem Erscheinen dieses Buches kam es, wohl aufgrund des provokanten Titels, zu Protesten. Einige Personen aus Lichters Umfeld befürchteten, darin in besonderer Weise erwähnt zu werden, und drohten, juristisch gegen Lichter vorzugehen, wenn dieser negativ Bezug auf sie nähme. Der Witz: Diese wurden in dem Buch gar nicht erwähnt! Auf diese skurrile Weise outeten sich manche somit als „ … “. Eine amüsante Randnotiz.

Für wen dieses Buch vor allem ist

Dieses Buch ist ideal für alle, die eine bessere Work-Life-Balance suchen. Zudem dürfte vor es allem Menschen in der Midlife-Crisis ansprechen und solche, die sich überarbeitet fühlen oder beruflich (und auch privat) eine Sinnkrise durchleben. Menschen, die aus dem sprichwörtlichen „Hamsterrad“ noch nicht aussteigen, aber darin deutlich kürzertreten wollen, die sich verändern – oder sich verändert möchten. Außerdem ist es für alle Fans von Horst Lichter ein Muss. Es enthüllt eine Seite, die man von der TV-Frohnatur, dem „Butterclown“, wie Lichter an einer Stelle selbst schreibt, so nicht erwartet hat. Was zeigt, dass auch Prominente im Leben Probleme haben.

Der provokante Titel

Biografische Bücher von Prominenten werden von Verlagen oft in besonderer Weise gepusht. So auch „Keine Zeit für Arschlöcher“. Mit dem provokanten Titel hat man sich hier einiger cleverer Mechanismen bedient, um etwas „Sensations-Sprengstoff“ in das Buch einfließen und die Verkaufszahlen in die Höhe schnellen zu lassen. Natürlich finden sich hier auch ein paar Indiskretionen über die „Creme de la Creme“ der deutschen Kernsehköche. Interessant, was man nebenbei so alles über unsere Kochlöffel-Rastellis erfährt. Doch hinter diesem „Werbeblock“ und seiner fröhlichen Fassade entfaltet dieses Buch einen sehr ernsten Hintergrund. 

Einige Aussagen aus „Keine Zeit für Arschlöcher“

Lichter nahm ein Metermaß und schnitt auf 78 cm ab ( = die durchschnittliche Lebenserwartung). Dann schnitt er auf der anderen Seite bei 52 cm ab ( = Lebensalter). Ein sehr einleuchtendes und drastisches Bild dafür, dass einem im Leben nicht mehr viel Zeit bleibt. Aus diesem Schlüsselerlebnis (und dem Tod seiner) Mutter leitete Lichter folgendes ab:

  • Das Leben ist zu kurz für Zeitverschwendung und Trübsinn
  • Man sollte nur Zeit mit Menschen verbringen, die es gut mit einem meinen
  • Man soll sich nicht verbiegen und auf sein Herz hören
  • Man kann nicht jedem gefallen (früher wollte Lichter das immer)
  • Man sollte nur Rollen spielen, die einem gefallen – keine, die man glaubt, spielen zu müssen (wie den „Butterclown“)
  • Man sollte seine Kraft und Hingabe nicht aufteilen – und sich nicht zerteilen
  • Man sollte sich Erfolg oder eine Lebenssituation nie schönreden – Ehrlichkeit siegt, auch zu sich selbst
  • Man sollte auf der „Erfolgs-Autobahn“ nicht überpacen und entschlossen „kürzertreten“, wenn einem danach ist
  • Man sollte sich von der „Realität“ des Showgeschäfts oder Business nie blenden lassen – und persönliche Werte hochhalten
  • Man sollte sich Zeit für die Menschen und Dinge nehmen, die einem wichtig sind.

Eigentlich, so Lichter, brauche man zum Leben keine Applaus-Maschinerie, sondern Liebe, Zuneigung, Freunde und Zeit. Es geht im Leben nicht darum, zu funktionieren und Verpflichtungen nachzujagen. Sondern darum, Träume zu leben – oder überhaupt: einfach zu leben!

Fazit

In diesem Buch rechnet Lichter liebevoll, kritisch und ehrlich mit der früheren „Erfolgsperiode“ seines Lebens ab. So etwas liest man nicht oft. Gleichzeitig wertet Lichter seine Erfolge nicht ab. Aus seinem Restaurant, der „Oldiethek“, nimmt Lichter schöne Erinnerungen mit, ebenso aus seinen Fernsehjahren am Herd mit Johann Lafer und Kollegen. Aber Lichter hat für sich erkannt, wann diese Zeit für ihn vorbei war – und wann es Zeit war, etwas Neues zu beginnen. Insofern ist dieses Buch eines der wenigen auf dem Markt, das zeigt: Es gibt für jeden Menschen nicht nur ein Leben. Man kann auch ein zweites und ein drittes haben. Wichtig ist, zu erkennen, wann es von der einen Phase in die nächste übergeht.

Also, keine Zeit verlieren: reinlesen und rein ins Leben! Christian Born

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