Die Besten: Was Erfolgstypen von anderen trennt

Die Besten: Was Erfolgstypen von anderen trennt

Die Besten: Was Erfolgstypen von anderen trennt

written by CHRISTIAN BORN

2001 analysierte der Wirtschaftswissenschaftler Jim Collins in seiner Studie „Der Weg zu den Besten“, warum manche Unternehmen um ein Vielfaches besser performten als andere. Die Antwort:

Es lag an der Erfolgspersönlichkeit des Unternehmens-Führers! Alle Manager der Erfolgs-Firmen ließen sich einem bestimmten Menschen-Typus zuordnen.

Was glauben Sie: Welche Eigenschaften zeichneten die „Erfolgstypen“ aus? Und welche Eigenschaften kennzeichneten die Chefs der weniger erfolgreichen Firmen?

Was zeichnet Erfolgstypen aus?

Zur besseren Veranschaulichung und Vereinfachung seiner Ergebnisse teilte Collins die Manager in zwei verschiedene Menschentypen auf. Dabei entlehnte er Begriffe aus dem Aufsatz „Der Fuchs und der Igel“ des britische Philosophen Isaiah Berlin von 1953:

1 Die Fuchstypen

Fuchstypen sind wie ein Fuchs schnell, wendig und schlau. Sie haben viele Stärken, die Sie oft und gerne zur Anwendung bringen. Zu den „Fuchstypen“ zählte Collins viele charismatische Führer großer Branchenriesen: etwa den wortgewaltigen Lee Iacocca von Chrysler oder Stanley Gault von Rubbermaid.

2 Die Igeltypen

Igeltypen sind ebenfalls listig, aber dabei eher bedächtig, fast langsam – und wie der Igel mit seinen Stacheln haben sie EINE natürliche Stärke, die sie mit großem Selbstvertrauen ausspielen.

Die „Igeltypen“ setzten sich in der Regel eher aus den Chefs von weniger bekannten „Hidden Champions“ zusammen: zum Beispiel Cork Walgreens von Walgreens, Darwin Smith von Kimberley Clark oder Kevin Iverson von Nucor.

Was hatte Collins über den Erfolgstypus der Manager herausgefunden?

Etwas ganz Anderes als er erwartet hatte! Collins ging ursprünglich davon aus, dass die vielseitigen und dynamischen Füchse das Rennen machen würden.

Mit „seinen flinken Bewegungen und seiner List wirkt der Fuchs wie der sichere Gewinner. Verglichen mit ihm ist der Igel überhaupt nicht attraktiv.“  

Aber das Gegenteil war der Fall! Zu seinem Erstaunen musste Collins in seiner empirischen Studie erkennen, dass die „Igeltypen“ mit Abstand das Rennen gegen die Fuchstypen entschieden! Wie in der Fabel „Der Hase und der Igel“

Warum ist das so?

Fuchstypen rennen mehreren Hasen gleichzeitig hinterher und denken gerne in komplexen Zusammenhängen und Organigrammen. Sie sind opportunistisch, egoistisch und auf mehreren Ebenen gleichzeitig aktiv, ohne klaren Fokus.

Igeltypen dagegen reduzieren die Komplexität der Welt oder des Geschäftslebens auf eine zentrale Erkenntnis, eine Methode, eine Sache, ein Prinzip, hinter dem sie stehen und das sie leben.

„Egal wie komplex die Welt auch sein mag, der Igeltyp reduziert alle Herausforderungen und Probleme auf eine einfache – und simple – Igelidee.“

Der Erfolg des Igel-Prinzips beruht auf der Konzentration aufs Wesentliche anstelle von „Verzettelung“.  

Die besten Unternehmen wurden laut Collins von Managern geführt, die nach dem Igelprinzip agierten und ihr Handeln auf einfache und glasklare Konzepte zurückführten – im persönlichen sowie im Unternehmens-Handeln.

  • Als Finanzdienstleister NUR auf Hypothekengeschäfte fokussieren (!) 
  • Statt auf „kostengünstige Präzisionsprodukte“ allgemein sich nur auf Rasierklingen konzentrieren
  • Durch innovative Fertigung der kostengünstigste Stahlhersteller sein – und nur das
  • In Apothekenstores nur gesunde Produkte günstig verkaufen – und keine Zigaretten und andere ungesunde Artikel, egal wie lukrativ das auf den ersten Blick wäre!

Es geht darum, einen Bereich abzudecken, in dem man der Beste sein kann, der gut bezahlt wird, den eigenen Glaubensgrundsätzen entspricht und somit von einer ganzen Belegschaft „gelebt“ und einfach nachvollzogen werden kann.

Das Igel-Prinzip ist das Erkennen der NISCHE, in der man der BESTE sein kann UND sein will!

Bezogen auf den einzelnen „Igeltypen“ und Erfolgsmenschen formulierte Collins das wie folgt:

  • Etwas tun, das man gut kann, bei dem man das Gefühl hat, dafür geboren zu sein (Fähigkeiten, bei denen man einer der Besten auf seinem Gebiet sein kann) = seine Fähigkeiten richtig einordnen
  • Etwas tun, von dem man gut leben kann (weil Leute das, was man tut, benötigen und bereit sind, dafür ordentlich zu bezahlen) = seinen Markt richtig einschätzen und die Kunden
  • Etwas tun, was man leidenschaftlich gerne tut und wofür man jeden Morgen aufsteht (weil man spürt, dass es passt, weiß, dass es eine gute Sache ist und weil man daran glaubt!) = seine Passion verstehen

Oft konnten die erfolgreichsten Manager mit den Fragen von Collins nach ihrem Erfolgsgeheimnis nichts anfangen, indem sie übereinstimmend darauf verwiesen, IHR ERFOLG SEI GANZ EINFACH (!) GEWESEN:

„Was wir taten, war ganz einfach, und wir achteten darauf, dass es einfach blieb.“

Ja klar. Auch E = mc2 ist einfach. Wenn man es erkannt hat. 

Die Fuchstypen folgten mehreren Impulsen, hatten zu viele Geschäftsfelder und neigten zur „Verzettelung“. Gefragt nach dem Geschäftsmodell, sagte ein Fuchstyp-CEO zu Journalisten:

„Nennen Sie uns, wie Sie wollen – Bank, Bausparkasse oder Zebra.“

Fuchstypen drehten sich opportunistisch nach dem Wind. Wenn es als günstige Gelegenheit erschien, in Apothekenstores Zigaretten zu verkaufen, tat man das. Ohne moralische Grundsätze. Wenn man eine neue Sparte eröffnen konnte, tat man das – auch wenn man nur wenig davon verstand!

Dagegen verfügten die „Igeltypen“ in der Studie nicht nur über mehr Selbsterkenntnis dessen, was sie besonders gut konnten, sondern auch über eine hohe Klarheit und Entschiedenheit. Man kannte seine „roten Linien“.

Man hatte Glaubenssätze und Prinzipien.

Die Igeltypen brachten Opfer und waren auch hart gegen sich selbst. Sie spielten sich nicht in den Vordergrund, sondern es ging Ihnen um die DIE EINE Sache. Sie schielten nicht auf weitere „Gelegenheiten“.

Sie spielten sich nicht in den Vordergrund, sondern agierten bescheiden für das Unternehmen, die Gesellschaft und die Zukunft. Viele Füchse hinterließen hingegen nach ihrem Ausscheiden „verbrannte Erde“.

Collins geht es mit dem Fuchs-Igel-Vergleich darum zu zeigen, dass einfach gehaltene, klare und natürliche Lösungen die effektivsten sind – auch im Geschäftsleben.

Die Fuchs-Igel-Fabel wird oft als Metapher für verschiedene Situationen verwendet, in denen einfache Mittel sich als richtige Strategien erweisen – auch gegen scheinbar überlegene Wettbewerber.

Die Fuchs-Igel-Gedanken von Collins‘ Inspirationsquelle Isaiah Berlin stützen sich auf die Philosophie eines anderen großen Mannes: Leo Tolstoi, dem berühmten Verfasser von „Krieg und Frieden“. Tolstoi liefert weitere Argumente, warum Füchse oft das Nachsehen haben:

Warum Tolstoi die großen Erfolgspersönlichkeiten der Geschichte „Igeltypen“ nannte

Tolstoi nutzte die Typisierung von „Füchsen“ und „Igeln“ als Metapher für große Persönlichkeiten in der Geschichte, um seine Theorie zu begründen zu der Frage, wie man in der Weltgeschichte große Spuren hinterlässt und warum.

Schon seit der Antike hat es Fabeln und Erzählungen über „Fuchs und Igel“ gegeben, bis zu Wilhelm Busch und Herder. Darin geht es stets um „Wettkämpfe“ zwischen diesen gegensätzlichen Protagonisten.

Der Fuchs ist immer zuversichtlich, dass er den Igel leicht besiegen wird, da er mehr Tricks kennt und Möglichkeiten hat. Aber am Ende der Fabeln gewinnt IMMER der Igel (!), weil er (S)EINE SACHE perfekt beherrscht.  

Tolstoi ließ sich von einer Stelle in der Fabel des Dicherts Archilochos inspirieren: „Der Fuchs weiß viele Dinge, aber der Igel weiß eine große Sache.“ Er übertrug die Moral der Fabel auf die Geschichtsphilosophie.

Tolstoi argumentierte, dass diejenigen, die eine klare Vision und eine große Idee haben (wie der Igel), die treibende Kraft des Fortschritts und des Wandels der Geschichte sind.

Für Tolstoi waren diese „Igeltypen“ aber nicht nur wegen ihrer Weisheit dem listigen Fuchs überlegen. Sondern wegen ihrer moralischen Überzeugung und dem festen Glauben an ihre Mission.

Sie arbeiteten hart daran, diese Vision zu verwirklichen. Diese Persönlichkeiten waren bereit, für ihre Überzeugungen zu kämpfen und Opfer zu bringen.

Im Gegensatz dazu betrachtete Tolstoi die „Füchse“ als Karrieristen ohne klare Vision und feste Überzeugungen: vielseitig, pragmatisch und anpassungsfähig, durchaus auch fähig, aber ohne stringente Handlungs-Grundsätze.

Sie handelten opportunistisch und passten sich den Umständen an, um ihren eigenen Vorteil zu maximieren. Nicht, um das zu tun, was richtig war.

Das kann kurzfristig funktionieren, hat aber langfristig keine Perspektive!

Tolstoi betrachtete die „Igelt“ als die treibende Kraft des Fortschritts und der Veränderung in der Geschichte. Er propagierte, dass die Welt von „Igeltypen“ dominiert werden sollte, da sie für das Wohl der Gesellschaft arbeiten.

Collins Überlegungen bestätigen Tolstois Gedanken. Berühmte historische Beispiele für die Anwendung des Igel-Prinzips sind laut Collins:

  • Darwin’s Survival of The Fittest
  • Einstein und die Relativität
  • Adam Smith und die Arbeitsteilung
  • Karl Marx und der Klassenkampf
  • Sigmund Freud und das Unbewusste

Fazit: Die Igel arbeiten als Spezialisten und haben eine tiefe Kenntnis auf einem bestimmten Gebiet. Sie sind erfolgreicher, da sie sich auf eine Sache konzentrieren (können). Und: Sie stehen voll hinter dem, was sie tun. Das wirkt überzeugender auf andere.

Deshalb nannte Tolstoi große Persönlichkeiten „Igeltypen“.

Deshalb nannte Collins große Unternehmensführer „Igeltypen“.

Deshalb nennt bezeichnet man Erfolgspersönlichkeiten als „Igeltypen“.

Übrigens: Als Mensch ist man nicht auf einen Typ von Geburt an festgelegt. Man kann sich für einen Typ entscheiden.

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