Siebenmal die „Tour“ gewinnen? Armstrongs Erfolgsgeheimnis

Siebenmal die „Tour“ gewinnen? Armstrongs Erfolgsgeheimnis

Siebenmal die „Tour“ gewinnen? Armstrongs Erfolgsgeheimnis

Siebenmal hintereinander das härteste Radrennen der Welt gewinnen ist kein Zufall. Warum Lance Armstrong die Tour de France so dominierte wie kein zweiter Radprofi

Um die Erfolge von Lance Armstrong zu würdigen und in der richtigen Relation zu sehen, muss man nur einen Blick auf die Gesamtsiege der Tour de France werfen: In der über 100-jährigen Geschichte gab es gerade mal vier Fahrer, die die Tour 5 Mal gewinnen konnten: Indurain, Hinault, Merckx, und Anquetil. Kein einziger Fahrer hat es 6 Mal geschafft. So kommt erst mal nichts – und dann, mit gebührendem Abstand: Lance Armstrong. Der einzige 7-malige Sieger der Tour de France. Und das auch noch in Serie (von 1999 bis 2005). Keiner konnte Armstrong in all den Jahren schlagen.

Armstrongs Erfolgsgeheimnis: Siebenmal die Tour de France gewinnen ist kein Zufall   

Kaum ein Mensch hat so für den Erfolg gelebt wie der ungekrönte „King“ des Radsports: Lance Armstrong. Dieser Artikel wird zeigen, warum es logisch ist, dass Armstrong die Tour de France dermaßen dominierte. Doch bevor man sich dem Erfolgsmenschen Lance Armstrong widmen kann, muss man sich zunächst mit dem Thema Doping auseinandersetzen – sowie der Tatsache, dass Armstrong ja alle sieben Titel nachträglich aberkannt wurden. Dazu der folgende Absatz …

Exkurs zum Thema Doping

Manche werden sagen: „Kein Wunder, dass Armstrong die Tour de France so oft gewonnen hat – er war ja gedopt!“ Doch: So einfach ist es leider nicht in einer Sportart, die allgemein zu dieser Zeit von Doping durchsetzt war wie keine andere. Wie man von vielen Konkurrenten Armstrongs heute weiß, waren diese damals ebenfalls gedopt. Manche sind sogar inzwischen, wahrscheinlich an den Folgen von Doping, verstorben. So kann man voraussetzen, dass im Peloton der Tour de France zu Armstrongs Zeiten niemand an der Spitze mitgefahren ist, der nicht gedopt war. Wie auch? Wie hätte er mit den Vorteilen, die man sich mit all diesen Mitteln verschaffte, mithalten können? Wägt man das gegeneinander ab, liegt der Schluss nahe, dass am Ende doch der Radprofi die Tour de France gewonnen hat, der das beste Gesamtpaket stellte.

Talent und Leistungskraft allein genügen nicht für den Erfolg

Eins vorweg: Armstrong hatte das Talent und die Leistungswerte, die Tour de France zu gewinnen. Ohne eine solche Voraussetzung braucht man gar nicht um den Sieg antreten. Aber: Armstrongs Talent war nicht so herausragend oder gar „überlegen“, dass seine dominierenden Erfolge logisch waren (dies hätte man eher Jan Ullrich zugeschrieben, wenn er in all den Jahren seine Bestform tatsächlich erreicht hätte!). Denn wie in vielen Einzelsportarten, so gibt es auch im Radsport Kennzahlen, mit denen man einen möglichen Siegfahrer von herkömmlichen Fahrern unterscheiden und prognostizieren kann. Entscheidend ist das Kraft-Gewichts-Verhältnis, d. h. wie viel Watt man pro Gewicht imstande ist zu treten. Dieser Wert lag unter oder knapp um die 7 Watt pro Kilo. Im Peloton hab es neben Armstrong stets rund ein halbes Dutzend Fahrer, die diese „Conditio sine qua non“ für einen möglichen Titel erfüllten. Aber nur Armstrong sollte die Tour sieben Mal in Folge gewinnen! 

Danke an Daniel Coyle, Autor von „Armstrongs Kreuzzug“

Bei der Ergründung der Erfolgspersönlichkeit Lance Armstrongs hat mir, neben vielen anderen Quellen, insbesondere das Buch von Daniel Coyle geholfen: „Armstrongs Kreuzzug. Ein Jahr auf dem Planeten Lance“. Schon der vielsagende Titel des Buches porträtiert die Unerbittlichkeit von Armstrongs Charakter sowie seiner Erfolgsunternehmung. Obwohl dieses Buch keine Biografie ist, sondern Coyle Armstrong nur rund ein Jahr (2004/2005) begleitet, kommt Coyle der Erfolgspersönlichkeit Lance Armstrongs näher als jeder andere. Das Buch des „Radsportfans“ Coyle ist ein faszinierendes Porträt des „King“, aber auch des Radsports sowie der Konkurrenten Armstrongs. Gerade in der Gegenüberstellung wird deutlich, warum Armstrong alle geschlagen hat.

Armstrongs Erfolgseheimnis: Nichts dem Zufall überlassen – und mehr:

Während viele Konkurrenten von Armstrong, vereinfacht gesagt, vor allem nur „Rennen“ gefahren sind und sich auf ihre Beine oder Kraft verlassen haben, war Armstrong der einzige Fahrer, der an sämtlichen Faktoren des Gesamtpakets mitgearbeitet hat. Armstrong hat auch alle anderen Faktoren rund um den Rennstall mit beeinflusst: Material, Teamzusammenstellung, Training und mehr.

  • Armstrong agierte nicht wie ein reiner Rennfahrer, sondern handelte wie ein Unternehmer im Radsattel. Sein Handy klingelte permanent, er mischte überall mit
  • Er war in alle Aktivitäten seines Teams federführend involviert und plante den Erfolg wie ein Stratege
  • Dabei hatte er alle Details im Auge und kümmerte sich um sie: sogar um den Stoff seines Anzugs, die Streckenführung oder an welcher Stelle sein Wohnwagen parkte
  • Armstrong war der Teamleader mit unbegrenzter Machtfülle. Sein Wort war Gesetz. Er gab die Vorgaben, alle anderen Fahrer führten aus
  • Armstrong bekämpfte seine Wettbewerber unerbittlich und ließ keinen Zweifel daran, dass er das „Alphatier“ war. Sein Team wurde politisch abgeschottet, es herrschte strengste Geheimhaltung
  • Wer auf dem Erfolgsweg nicht „funktionierte“, wurde aussortiert, und zwar ungeachtet der im Vorfeld erworbenen Verdienste oder persönlicher Beziehungen
  • Armstrong hatte den absoluten Willen zu gewinnen und setze diesen ohne Rücksicht auf andere Dinge absolut. Die Dienste seines Arzts, Dr. Ferrari, sicherte er sich mit einem Exklusivvertrag und nahm ihn damit für Konkurrenten vom Markt! 
  • Armstrong hatte nach seinem Sieg über den Hodenkrebs den Glauben, alles aus eigener Kraft besiegen und niederringen zu können. So konnte er auch in schwierigen Phasen der Tour hohe Reserven mobilisieren
  • Armstrong informierte sich neugierig und systematisch über seine Wettbewerber, ließ sie keinen Moment aus den Augen, schickte Spione usw.
  • Armstrong verließ sich nicht auf andere, sein Glück oder das Wetter, sondern einzig und allein auf sich selbst

Ein weiteres Erfolgsgeheimnis: alle Erfolgsfaktoren mitberücksichtigen!

Während sich Armstrong buchstäblich für alle Erfolgsfaktoren rund um seinen Sport interessierte und sich um die Zusammensetzung des Wassers in den Trinkflaschen, der Fahrrad-Komponenten, des Zeitfahranzugs und mehr kümmerte, setzten sich viele seiner Konkurrenten, man mag es nicht glauben, einfach nur aufs Rad – und überließen alles andere ihren Teammanagern. Oft liest man Sätze bei den anderen Fahrern, sie würden sich darauf verlassen, einen guten Tag zu erwischen oder „gute Beine“ oder auf das Glück. Nicht so Armstrong, er überließ nichts dem Zufall! Seine Konkurrenten interessierten sich nicht für Fahrradtechnik oder kamen übergewichtig aus dem Urlaub. Andere fuhren ihre Rennen wie Hasardeure und sahen den Tourgewinn nicht als strategische Aufgabe, sondern eher als romantisches Vabanquespiel an.  

Fazit

Lance Armstrong hat es allen gezeigt, die meinten, sie könnten an der Spitze des Feldes ein paar Variablen dem Zufall überlassen. Er hat gezeigt, dass man neben herausragenden Leistungsmöglichkeiten auch einen unbändigen Willen und unbeugsamen Charakter einbringen muss, der jeden Tag an den Siegchancen „schraubt“. Wer aus dem Heer der Teilnehmer in Serie als Champion hervorgehen will, sollte sich um das gesamte Paket seiner Sportart kümmern! Denn: An der Spitze wird die Luft immer dünner und die Details machen den Unterschied.

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