Hat der Erfolg nur positive Seiten? Eine Begriffs-Analyse

Hat der Erfolg nur positive Seiten? Eine Begriffs-Analyse

Hat der Erfolg nur positive Seiten? Eine Analyse des Begriffs  

Der moderne Erfolgsbegriff hat eine ausschließlich positive Bedeutung. Hat der Erfolg deshalb nur positive Seiten? Eine Bestandsaufnahme

Ist der Erfolgsbegriff ausschließlich positiv besetzt?

Kann man sich etwas Positiveres und Schöneres vorstellen als Erfolg? Erfolg erscheint nach dem allgemeinen Verständnis als etwas sehr Erstrebenswertes, als die Erfüllung von Träumen oder sehnsüchtiger Erwartungen. Jedoch: Das war nicht immer so. Und auch in der heutigen Zeit ist der Erfolg nicht frei von negativen Seiten oder von Kritik …

Früher bezeichnete Erfolg sowohl ein positives als auch ein negatives Ergebnis

Erfolg wurde nicht immer durchweg positiv betrachtet. Über Jahrhunderte hinweg war das Streben nach Reichtum oder nach einem persönlichen Vorteil verpönt. Zudem war der Begriff „Erfolg“ nicht immer positiv besetzt: In früheren Zeiten meinte „Erfolg“ sowohl den positiven als auch den negativen Ausgang des Erfolgshandelns.

Das änderte sich erst durch den Siegeszug der protestantischen Ethik, des Kapitalismus und das Aufkommen des Bürgertums. Reichtum wurde fortan als Zeichen gottgefälligen Handelns interpretiert. Und der Erfolgsbegriff ausschließlich positiv besetzt.

Heute gibt es für den negativen Ausgang den Begriff des „Misserfolgs“, Dennoch ist festzustellen: Auch der Erfolg kann negative Folgen nach sich ziehen. Erfolgsstreben kann Expeditionsmitglieder in den Tod treiben, auch wenn die Expedition ein Erfolg wird. Erfolgsstreben kann Erfinder und Unternehmer in den Herzinfarkt treiben, auch wenn ihre Ideen Weltruhm erlangen! Erfolg kann in den Burnout führen. Erfolg kann eine Reihe unvorhersehbarer Kollateralschäden nach sich ziehen.

Obwohl der Canal du Midi zwischen Toulouse und dem Mittelmeehr ein Erfolgsprojekt für die ganze Region wurde, bedeutete er für seinen Erbauer Paul Riquet den finanziellen Ruin. Zudem kann der Erfolg eines Investors den Ruin eines anderen auslösen. Oder wie Rothschild es einst formulierte: „Ihr Geld ist nicht weg, mein Freund. Es hat nur ein anderer!“  

Zu große Erfolgssucht und übersteigerter Ehrgeiz können daher auch einen Verfall der Moral nach sich ziehen. Oder zu einer Verrohung der Sitten im gesellschaftlichen Umgang führen. Kritiker sehen, als Folgeerscheinung eines allzu ambitionierten Kapitalismus, im Erfolg ein „krankes Leitbild“ (Alexander Dill, „Die Erfolgsfalle“).

Übertriebene Erfolgsambitionen können negative Folgen nach sich ziehen, bis hin zu Ausbeutung von Menschen, Tieren oder Umwelt-Ressourcen und Effekten der Klima-Erwärmung. Im Sinne einer erfolgreichen Gewinn-Maximierung können Kapitalerträge und Steuern gespart werden – und ins Ausland verlagert. Das steigert zwar den Erfolg einzelner Unternehmen, gefährdet aber den Erfolg von Volkswirtschaften.

Andere gehen noch einen Schritt weiter. Sie sehen im aktuellen, rein positiven Erfolgsbild eine „Erfolgslüge“, in der lebenslange Arbeit immer seltener zu dem erhofften Wohlstand führt. In ihrem Buch „Wir kündigen und definieren das Land neu“ monieren die vier Autoren, dass es in unserer Gesellschaft nicht gerecht genug zugehe. Weshalb über gesellschaftliche Schlüsselbegriffe wie „Erfolg“ neu nachgedacht werden müsse.

Ein weiterer Kritikpunkt am ausschließlich positiv geprägten Erfolgsbegriff ist der „Egozentrismus“, bei dem man Erfolg vor allem über den eigenen Vorteil definiert. Unter dem Motto „Der Erfolg gibt ihm Recht“ kann man heute so ziemlich jeden „Egotrip“ rechtfertigen. Und gesellschaftlich legitimieren. Ein wenig mehr Kennedy würde hier guttun: „Frage, was du für ein Land tun kannst.“     

Fazit: Die Kritik an einem einseitigen, „rosaroten“ und allzu positiven Erfolgsbegriff soll den Nymbus des Erfolgs und seinen Ruf in keiner Weise schmälern. Erfolg hat viele positive Seiten und die Menschheit braucht große Erfolge, um ihr Überleben auf diesem Planeten zu sichern.

Dennoch ist Erfolg kein Selbstläufer oder etwas, das frei von Nachteilen und Fehlern wäre. Gefragt ist eine moderne Erfolgsethik, die dazu beiträgt, Erfolg in die richtigen Bahnen zu lenken, aber Erfolgshandeln nicht fundamentalkritisch ablehnt.   

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Christian Born

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Diese Formulierung stammt aus dem Bestseller „Keine Regeln“ über Netflix. Dort ist Feedback Teil der Firmenkultur und der Verbesserungs-Prozesse. Es bedeutet: „Mit positiver Grundhaltung aussprechen, was man wirklich denkt und anderen real ins Gesicht sagen könnte.“ Na, dann los …

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